Forum 204 - Drug Checking - Wo stehen wir?

Drug Checking beschreibt ein Beratungskonzept der Drogen- und Suchthilfe, bei dem Konsument:innen psychoaktiver Substanzen im Rahmen eines Beratungsgesprächs die Möglichkeit haben, Drogen zur Analyse abzugeben. Das Ergebnis der Analyse wird den Nutzer:innen mit schadensminimierenden Botschaften zurück kommuniziert. Dadurch lassen sich Intoxikationen durch Überdosierungen und unerwartete Substanzen bzw. Verunreinigungen vermeiden. Schwer erreichbare Konsument:innengruppen werden durch dieses Angebot früher durch das Hilfesystem erreicht. Mittlerweile werden in fast allen Mitgliedssaaten der EU Drug Checking-Projekte staatlich gefördert. Auch in Deutschland haben Drug Checking Projekte mit ihrer Analyse- und Beratungstätigkeit begonnen.

Tibor Harrach aus Berlin erörtert sozialwissenschaftliche und pharmazeutische Grundlagen von Drug Checking und betäubungsmittelrechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland.
Er stellt die praktische Umsetzung von mobilem (vor Ort) und stationärem Drug Checking (z.B. in bestehenden Drogenberatungsstellen) vor. Auch politische Entwicklungen sowie die nationale und europäische Vernetzung von Drug Checking Projekten werden in den Blick genommen.

Bettina Hölblinger berichtet über das Integrierte Drug Checking Angebot der Suchthilfe Wien „checkit!“.  Seit über 20 Jahren bietet „checkit!“ mobiles Integriertes Drug Checking (IDC) auf Events in Wien und Umgebung an. Im Rahmen des IDC wird das gewonnene Analyseergebnis mit einem Informations- oder Beratungsgespräch verknüpft. Durch das Drug Checking Angebot gelingt der Zugang zu einer Personengruppe, die mit klassischen Angeboten der Suchthilfe nur schwer erreicht wird. Seit Ende 2019 ergänzen die Angebote stationäres Drug Checking in der Homebase sowie seit Juni 2020 Drug Checking in ausgewählten Apotheken das Angebot. Evaluation und Adaptionen auf allen Ebenen des Angebotes waren und sind immer wieder erforderlich. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse und Erfahrungen wird ein Ausblick in die Zukunft gegeben. 

Referierende:
Tibor Harrach, Drug Checking Projekt, vista Berlin
Bettina Hölblinger, Suchthilfe Wien

Moderation:
Prof. Dr. Ulrich Preuss, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, RKH Klinik Ludwigsburg