Forum 102 - Substitution und psychosoziale Betreuung - einen Schritt vor und keinen zurück

Die Substitution ist eine elementare Überlebenshilfe für viele Abhängigkeitserkrankte. Um der Komplexität der Substitutionsbehandlung und der psychosozialen Betreuung (PSB) opioidabhängiger Menschen Rechnung zu tragen, bedarf es multiprofessioneller, interdisziplinärer und integrierter Behandlungsangebote. Im Forum soll dargestellt und diskutiert werden, welche Impulse für die Weiterentwicklung der Substitutionsversorgung notwendig sind und welche Rolle die Suchthilfe dabei spielt. Dabei geht es auch um Reformen für eine umfassende Substitutionsversorgung und eine qualifizierte psychosoziale Betreuung.

Prof. Dr. Heino Stöver wird über die aktuellen Herausforderungen der Substitution in Deutschland berichten. Änderungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) zu Beginn der Coronapandemie waren für Betroffene sowie Ärztinnen und Ärzte eine Erleichterung. Aus Sicht von Suchtexpert:innen gibt es das Bestreben, effektive Reformen zu verankern, damit es bei der Substitutionsvergabe nicht wieder einen Schritt zurück geht.

Anneke Groth erörtert die Ziele der psychosozialen Betreuung (PSB) opioidabhängiger Menschen und die qualifizierten Leistungen der PSB. Die Richtlinien der Bundesärztekammer (BÄK) sehen vor, dass PSB im Rahmen der Substitutionsbehandlung regelhaft empfohlen werden soll. Mit der personenzentrierten Arbeit innerhalb der PSB soll eine Stabilisierung erreicht und Teilhabe sichergestellt werden. Teilhabe kann hier die Wiedererlangung der Wohnfähigkeit, die verantwortliche Wahrnehmung der Elternrolle, die Wiedereingliederung in Beschäftigungs- oder Arbeitsverhältnisse oder auch die Reduktion eines sozial und gesundheitlich schädlichen Beigebrauchs psychoaktiver Substanzen bedeuten. Damit die Zielsetzungen der PSB passgenau auf den Hilfebedarf der Klient:innen passt, werden Betroffene in ihrer Lebenswelt als Expert:innen betrachtet.

Referierende:
Anneke Groth, vista gGmbH, Berlin
Prof. Dr. Heino Stöver, Institut für Suchtforschung (ISFF) der Frankfurt University of Applied Sciences

Moderation:
Regina Müller, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Hamm