Forum 102 - Öffentliche Räume, verborgene Risiken: Wo Glücksspielsucht entsteht – und wie Hilfe ankommt

Glücksspiel ist in vielen Formen gesellschaftlich sichtbar – auf dem Sportplatz, im Wettbüro, in der Gaststätte. Zugleich zieht sich problematisches Glücksspielverhalten häufig ins Verborgene zurück, z. B. in illegale Märkte. Das Forum beleuchtet beide Seiten: die öffentlichen Räume, in denen Glücksspielsucht entsteht und sich entwickelt, sowie die Frage, wie Prävention und Hilfe auch unregulierte, verborgene Räume erreichen können.

Sportvereine gelten als wichtige Sozialisationsinstanzen und werden als schützende Settings geschätzt. Doch der Zusammenhang zwischen Vereinsmitgliedschaft und Glücksspielverhalten ist komplexer als vermutet. Dr. Tobias Hayer von der Universität Bremen geht der Frage nach, ob und unter welchen Bedingungen eine Vereinsmitgliedschaft ein risikoerhöhender Faktor für problematisches Glücksspielverhalten sein kann. Im Fokus stehen spezifische Vereinskulturen, die Normalisierung von Sportwetten im sozialen Umfeld u. a. durch Werbung sowie die Rolle von Peergroups. Die Befunde fordern die Suchtprävention heraus, auch vermeintlich schützende öffentliche Räume kritisch zu reflektieren.

Illegales Glücksspiel ist dem öffentlichen Blick per Definition entzogen und stellt Prävention und Suchthilfe somit vor besondere Herausforderungen. Konrad Landgraf von der Landesstelle Glücksspielsucht Bayern gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Erscheinungsformen illegalen Glücksspiels: von nicht lizenzierten Online-Casinos über illegale Spielstätten bis hin zu informellen Wettformen im sozialen Nahraum. Dabei werden typische Zugangswege, betroffene Zielgruppen sowie spezifische Suchtrisiken beleuchtet. Das Wissen um diese verborgenen Glücksspielwelten ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Betroffene zu erreichen und passgenaue Hilfeangebote zu entwickeln.

Der Fachverband Glücksspielsucht e.V. bietet niedrigschwellige Online-Beratung für Betroffene und Angehörige. Ilona Füchtenschnieder moderiert die Vorstellung dieses Forums und der Angebote und zeigt, wie digitale Formate neue Zielgruppen erreichen. So entsteht eine Brücke zwischen verborgenem Problem und öffentlicher Unterstützung.


Referierende:
Dr. Tobias Hayer, Universität Bremen, Bremen
Konrad Landgraf, Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern, München

Moderation:
Ilona Füchtenschnieder, Fachverband Glücksspielsucht e.V., Bielefeld