Forum 104 - Internetnutzungsstörungen – ein neues Versorgungsfeld in der Suchthilfe

Die Digitalisierung prägt den Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Digitale Medien eröffnen vielfältige Chancen für Bildung, Kommunikation und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig wächst die wissenschaftliche Evidenz dafür, dass insbesondere Heranwachsende durch eine exzessive Mediennutzung gesundheitliche Risiken erfahren können. Neben körperlichen Auswirkungen werden Zusammenhänge mit psychischen Belastungen und Defizite in der Emotionsregulation beobachtet.

Vor diesem Hintergrund wird aktuell intensiv über geeignete Präventions- und Regulierungsmaßnahmen diskutiert – von Medienkompetenzen über Social-Media-Verbote für Minderjährige bis hin zur Verantwortung der Plattformbetreibenden und möglichen Regulationszwängen. Doch auch die Behandlung und vor allem das Erreichen der betroffenen Menschen ist ein wichtiges Thema, da Menschen mit einer Internetnutzungsstörung insgesamt nur selten Behandlungsangebote in Anspruch nehmen. Das gilt in besonderem Maße auch für Einrichtungen des Suchthilfesystems.

Das Forum greift diese hochaktuelle Debatte auf. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse bereits vorliegen, welche Schlussfolgerungen für Prävention und Regulierung gezogen werden können, was in der Praxis für eine adäquate Versorgung benötigt wird und wo die Grenze zwischen notwendigem Schutz und der gefürchteten „Bevormundung durch die Politik“ verläuft. Vertretende aus Wissenschaft und Praxis diskutieren gemeinsam den aktuellen Kenntnisstand. Des Weiteren wird die „Stellungnahme zur Prävention und Behandlung von problematischer Nutzung digitaler Medien und Internetnutzungsstörungen“ des Ad-hoc-Ausschusses Internetbezogene Störungen der DHS vorgestellt.


Referierende:
Kristin Schneider, Zentrum für Verhaltenssucht, Berlin
Dr. Klaus Wölfling, Alida Schmidt-Stiftung, Hamburg

Moderation:
Prof. Dr. Hans-Jürgen Rumpf, Universität Lübeck, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Lübeck