Forum 206 - Unsichtbar trotz Öffentlichkeit: Die verborgenen Lebensrealitäten konsumierender Frauen und Mädchen
Frauen und Mädchen mit riskantem oder abhängigem Konsum werden vom Hilfesystem häufig erst sehr spät erreicht. Geschlechtsspezifische Rollenerwartungen, Stigmatisierung und Scham tragen oft dazu bei, dass problematischer Substanzkonsum lange verborgen bleibt. Auch die Sorge vor negativen Konsequenzen – etwa in Familie, Beruf, Ausbildung oder Schule – spielt dabei eine Rolle. Dadurch werden Unterstützungsangebote nicht oder erst sehr spät in Anspruch genommen.
Niedrigschwellige, genderspezifische, traumasensible und lebensweltorientierte Angebote sind daher ein zentraler Baustein, um betroffene Frauen und Mädchen frühzeitig zu erreichen. Felia Ricke von der Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW mit Sitz in Essen gibt einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die Lebensrealität substanzkonsumierender Mädchen und Frauen und verdeutlicht Anforderungen an eine gendersensible Suchthilfe, um diese wirksam und zugänglich zu gestalten.
Heidrun Neuwirth berichtet aus 25 Jahren praktischer Erfahrung in der stationären Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen mit Suchtproblemen und Traumafolgestörungen bei JELLA in Stuttgart. Im Mittelpunkt stehen die besonderen Herausforderungen dieser Zielgruppe: Entwicklungsbedingte Vulnerabilitäten, komplexe psychosoziale Belastungen und die Problematik, dass viele Mädchen erst durch einen Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Zugang zu pädagogischen und therapeutischen Hilfen finden, während die Beschaffung von Substanzen wie synthetischen Opioiden, verborgen in einer digitalisierten Welt, immer leichter wird. Eine gelingende Zusammenarbeit an den Schnittstellen zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie ist deshalb von besonderer Bedeutung.
Wer konsumierende Frauen und Mädchen erreichen will, muss ihre Lebensrealitäten verstehen und Zugänge neu denken. Das Forum lädt dazu ein, gemeinsam zu diskutieren, wie diese „Unsichtbarkeit“ überwunden, Versorgungslücken geschlossen und gendersensible Hilfen wirksam gestaltet werden können. Praxisberichte und der interdisziplinäre Austausch stehen dabei im Mittelpunkt.
Referierende:
Felia Ricke, Landesfachstelle Familie, Geschlechtervielfalt und Sucht BELLA DONNA der Suchtkooperation NRW, Essen
Heidrun Neuwirth, JELLA Pädagogische und therapeutische Hilfen für Mädchen, Baden-Württembergischer Landesverband für Prävention und Rehabilitation gGmbH, Stuttgart
Moderation:
Heike Timmen, Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bundesverband, Berlin
Suchthilfeverzeichnis
Über das Suchthilfeverzeichnis der DHS können Sie Einrichtungen der Suchthilfe in Ihrer Umgebung finden.
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