Forum 103 - Im Schatten der Effizienz: Stress und die Wirksamkeit der Suchtberatung und -prävention in der Arbeitswelt

AUSGEBUCHT

Suchtproblematiken in der Arbeitswelt bleiben häufig lange verborgen. Sichtbar werden sie oft erst dann, wenn sie bereits zu erheblichen Belastungen für die Betroffenen, das Arbeitsumfeld und die Organisation geführt haben. Das Forum widmet sich der Frage, wie sich verdeckte Suchtverläufe im Arbeitskontext erkennen, einordnen und fachlich angemessen begleiten lassen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sich die Sicht auf Sucht verändert, wenn nicht ausschließlich individuelles Verhalten betrachtet wird, sondern ebenso Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur und spezifische Belastungsdynamiken in den Blick genommen werden. Strukturelle Voraussetzungen werden aufgezeigt, unter denen Belastungen entstehen, unentdeckt bleiben oder sich verfestigen.

Dr. Sebastian Sattler bringt seine Forschungsergebnisse zu Ursachen und Auswirkungen von Substanzkonsum ein. Er zeigt, welche Rolle Stress, Leistungsdruck und individuelle Ressourcen dabei spielen und warum Prävention nicht nur beim Einzelnen, sondern auch bei den Arbeitsbedingungen ansetzen muss. Darüber hinaus beleuchtet er, wie Menschen, die Substanzen konsumieren, gesellschaftlich wahrgenommen werden. Dies umfasst auch verschiedene Dimensionen von Stigmatisierung.

Die wissenschaftliche Perspektive wird durch praktische Beispiele von Frank Bleßmann, Teamleitung der Caritas-Fachstellen für Sucht und Suchtprävention in Hannover und Garbsen ergänzt. Im Fokus stehen der niedrigschwellige Eintritt über die Webseite als erster Zugangsweg, die Bedeutung von betrieblichen Ansprechpartner:innen und Leitungen sowie die praktische Umsetzung von Dienstvereinbarungen. Thematisiert werden zudem Möglichkeiten der Kooperation und Vernetzung bei begrenzten Ressourcen sowie unterschiedliche Zielsetzungen in verschiedenen Unternehmen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf konkreten Schritten, um Suchtthemen aus der Tabuzone zu holen – etwa durch die Etablierung eines anonymen Zugangs als vertrauensvolle Alternative zu rein persönlichen Meldewegen.

Nicole Adon von der Suchtkooperation NRW moderiert die Diskussion und verbindet die Perspektiven von Wissenschaft, betrieblicher Praxis und regionaler Suchthilfestruktur. Das Forum richtet den Blick auf verborgene Welten des Substanzkonsums, die häufig hinter beruflicher Leistungsfähigkeit und alltäglichen Routinen verborgen bleiben. Es beleuchtet, wie diese Themen im öffentlichen Raum und in der Arbeitswelt sichtbar werden, welche Folgen Stigmatisierung hat und wie Unterstützung sowie Zusammenarbeit zwischen Betrieben, Beratung und Suchthilfe gelingen können.


Referierende:
Dr. Sebastian Sattler, Universität Bielefeld
Frank Bleßmann, Caritasverband Hannover e.V., Hannover

Moderation:
Nicole Adon, Suchtkooperation NRW, Landesfachstelle berufliche und soziale Integration
der Suchtkooperation NRW, Paderborn