Forum 205 - Zwischen Versorgungslücke und Innovation: Behandlung und Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit Suchterkrankungen
Kinder und Jugendliche mit Abhängigkeitserkrankungen stehen exemplarisch für die „verborgenen Welten“ im Suchthilfesystem. Während die Folgen von Sucht im öffentlichen Raum zunehmend sichtbar werden und gesellschaftliche Aufmerksamkeit erhalten, bleiben die Hilfebedarfe vieler junger Menschen häufig unerkannt. Die öffentliche Diskussion um die Schließung spezialisierter Behandlungsangebote hat die Aufmerksamkeit zuletzt auf die Versorgungslage von Kindern und Jugendlichen gelenkt. Gleichzeitig zeigt sich, dass die bestehenden Hilfesysteme den wachsenden Bedarfen bei stoffgebundenen und nicht stoffgebundenen Suchterkrankungen vielfach nicht gerecht werden können. Die Folgen reichen von verspäteten Behandlungen über belastete Familien bis hin zu langfristigen Einschränkungen der gesellschaftlichen Teilhabe.
Im Forum gibt Dr. Darius Chahmoradi Tabatabai einen Überblick über die aktuelle Versorgungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Substanzgebrauchsstörungen in Deutschland. Er beleuchtet die Entwicklung der Behandlungs- und Rehabilitationskapazitäten sowie die Auswirkungen rückläufiger Angebotsstrukturen auf Betroffene und Hilfesysteme. Neben der Analyse zentraler Herausforderungen werden konkrete Handlungsmöglichkeiten vorgestellt, um junge Menschen früher zu erreichen, Übergänge zwischen Jugendhilfe, Suchthilfe und Gesundheitswesen besser zu gestalten und regionale Versorgungsstrukturen zu stärken. Der Beitrag richtet den Blick dabei bewusst auf Stellschrauben, die Fachkräfte und Einrichtungen vor Ort aktiv beeinflussen können.
Dr. Judith Stumm stellt das Projekt „MeKi – Medienabhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen“ vor. Medienabhängigkeit zählt zu den Suchterkrankungen, deren Bedeutung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Problematische Mediennutzung kann erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Bildung, soziale Beziehungen und Zukunftsperspektiven junger Menschen haben und tritt häufig gemeinsam mit weiteren psychischen Belastungen auf. Die Referentin berichtet über die partizipative Entwicklung eines stationären Rehabilitations- und Nachsorgekonzepts, das gemeinsam mit betroffenen Kindern und Jugendlichen, Eltern sowie Fachkräften entwickelt wurde. Vorgestellt werden Erkenntnisse aus den qualitativen Interviews, das Studiendesign, die Rekrutierung der Teilnehmenden sowie die zentralen Bausteine des Rehaprogramms. Dr. Judith Stumm gibt Einblicke in die Entwicklung eines innovativen Versorgungsangebots und vermittelt Ansätze, die auch auf andere Handlungsfelder der Suchthilfe übertragen werden können.
Das Forum verbindet die Analyse bestehender Versorgungslücken mit konkreten Beispielen für innovative Versorgungs- und Rehabilitationsansätze. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Kinder und Jugendliche mit Suchterkrankungen früher erreicht, bedarfsgerecht behandelt und nachhaltig unterstützt werden können.
Referierende:
Dr. Darius Chahmoradi Tabatabai, Drogentherapie-Zentrum Berlin gGmbH
Dr. Judith Stumm, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft
Moderation:
Christina Rummel, Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Hamm
Suchthilfeverzeichnis
Über das Suchthilfeverzeichnis der DHS können Sie Einrichtungen der Suchthilfe in Ihrer Umgebung finden.
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